Schutz von Zivilpersonen in bewaffneten Konflikten

Gleichstellungsfragen

Gender

Sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten und Geschlechterdiskriminierung

Sexuelle Gewalt und insbesondere Vergewaltigung sind in vielen bewaffneten Konflikten weit verbreitet. Konfliktsituationen schaffen ein Klima, in dem Recht und Gesetz missachtet werden und in dem bei bewaffneten Kräften ein Gefühl der Straffreiheit vorherrschen kann. Zu den Tätern zählen Mitglieder des staatlichen Militärs und der Sicherheitskräfte, paramilitärischer Gruppen, bewaffneter nichtstaatlicher Akteure (BNSA), Friedenstruppen sowie Zivilpersonen. Bei einigen bewaffneten Konflikten wird sexuelle Gewalt strategisch eingesetzt, um die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und zu demütigen. In anderen Fällen geschieht sie mehr aus opportunistischen Gründen, beispielsweise als Ergebnis fehlender Disziplin oder in Verbindung mit einem Gefühl der Straflosigkeit.

Leider gibt es keine verlässlichen Daten, die ein genaues Bild des Ausmasses des Problems weltweit liefern könnten, weil Fälle sexueller Gewalt üblicherweise zu wenig gemeldet werden. Zwar kommt auch sexuelle Gewalt gegen Männer und Jungen vor, besonders gefährdet sind aber Frauen und Mädchen; sie bilden die überwältigende Mehrzahl der Opfer.

Bewaffnete Konflikte und Gewalt verschärfen in der Regel diskriminierende Praktiken zwischen Männern und Frauen, weil sie sich auf die Geschlechterrollen und -verantwortlichkeiten auswirken.

BNSA und sexuelle Gewalt und Geschlechterdiskriminierung

Obwohl sexuelle Gewalt sowohl durch Regierungsstreitkräfte als auch durch BNSA ausgeübt wird, ist wenig über die spezifischen Probleme bekannt, wenn es um Aufklärung gegen durch BNSA verübte sexuelle Gewalt geht.

Die meisten Initiativen konzentrieren sich zu recht auf Hilfe für die überlebenden Opfer sexueller Gewalt, dagegen wird kaum etwas getan für das Engagement mit (potenziellen) Gewalttätern um zu verhindern, dass Missbrauch überhaupt stattfindet.

Nach der Erfahrung von Geneva Call sind die Richtlinien und Praktiken einiger BNSA diskriminierend, insbesondere in Bezug auf Frauen. Einige BNSA haben Frauen in Führungspositionen oder binden Frauen in die Beratungen über Entscheidungsprozesse, einschliesslich Friedensverhandlungen, mit ein. Das ist jedoch eher die Ausnahme als die Regel.

Das internationale Recht liefert einen klaren Rahmen für die Vorbeugung und Verhinderung von sexueller Gewalt und den Schutz von Frauen und Mädchen in bewaffneten Konflikten. Durch die Verabschiedung von sieben Resolutionen  während des letzten Jahrzehnts hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen  zentrale Richtlinien in Bezug auf Frauen, Frieden und Sicherheit geschaffen, die sowohl für Staaten als auch für BNSA gelten. Darüber hinaus stärken bestimmte internationale Abkommen – beispielsweise das  Übereinkommen über die Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen (CEDAW) – die Rechte der Frauen, auch im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten. Trotz ihrer Bedeutung bieten diese Instrumente den BNSA keine Gelegenheit, zum Ausdruck zu bringen, dass sie bereit sind, sich an diese Normen zu halten.

Es ist deshalb unerlässlich, die BNSA in die Pflicht zu nehmen, wenn sexuelle Gewalt bei bewaffneten Konflikten vermieden und verhindert und den Opfern geholfen werden soll und die Täter bestraft werden sollen. Solche In-die Pflichtnahme ist auch erforderlich in Bezug auf Geschlechterdiskriminierung und um die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen zu erhöhen.

Der innovative Ansatz von Geneva Call

Geneva Call will BNSA verpflichten, die Bedrohung durch sexuelle Gewalt im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten zu verringern, Geschlechterdiskriminierung zu beseitigen und die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen zu fördern.

Zu den Mitteln, sie zu verpflichten, gehören Dialog, Fürsprache und Schulung. Geneva Call hat auch einen innovativen Mechanismus  – die Verpflichtungserklärung  zum Verbot sexueller Gewalt in Situationen bewaffneter Konflikte und zur Beseitigung von Geschlechterdiskriminierung – entwickelt, die es den unterzeichnenden BNSA ermöglicht, sich zu verpflichten, internationale Standards zu respektieren, da sie internationalen Abkommen nicht beitreten können.

Geneva Call unterstützt und überwacht die Umsetzung der Verpflichtungserklärung durch die unterzeichnenden BNSA.

Geneva Call arbeitet auch mit Organisationen auf Gemeindeebene zusammen, damit sie ihre Fähigkeiten ausbauen, mit den BNSA ins Gespräch zu treten und zu helfen, die Einhaltung deren Verpflichtungen zu überwachen.

Wichtigste Erfolge

  • 16 BNSA haben die Verpflichtungserklärung zum Verbot sexueller Gewalt und von Geschlechterdiskriminierung unterzeichnet und entsprechende Massnahmen ergriffen.
  • Mit über 20 BNSA führt Geneva Call einen Dialog, durch den sie für die relevanten internationalen Standards zu sexueller Gewalt und für die Beteiligung von Frauen an Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen sensibilisiert werden. Mehrere dieser BNSA haben einige dieser Normen in ihre Richtlinien oder Reglemente aufgenommen.
  • Ein geschützter Ort für 60 durch bewaffnete Gewalt gefährdete junge Mädchen wurde durch den örtlichen Partner Nashet Association in palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon eingerichtet.
 

    Andere Dokumente

    Training poster – Prohibiting sexual violence and gender discrimination (Karen)Training poster – Prohibiting sexual violence and gender discrimination (Burmese)Training poster – Prohibiting sexual violence and gender discrimination (Arabic)
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  • Theirwords.org ist ein Verzeichnis von Verpflichtungen bewaffneter nichtstaatlicher Akteure. Lesen Sie weitere Dokumente über dieses Thema on theirwords.org.
 
 
 
 

Bewaffnete nichtstaatliche Akteure

  • Liste der bewaffneten nichtstaatlichen Akteure, die eine oder mehrere Verpflichtungserklärungen unterzeichnet haben Verpflichtungserklärung Siehe folgende Tabelle.
 
 

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